German Business Plants / 2009-2017

Publications:

2015 Vice Germany

2015 Plant Age Magazine, Kampnagel, Hamburg

2015 Page  Magazine, Hamburg

2017 Brandeins Magazin, Hamburg

2017 Monopol, Berlin

geplant für 2018:  Kehrer Verlag Heidelberg Berlin

 

Exhibitions

2012 Kunstraum.Morgenstrasse Karlsruhe

2015 Karl Anders Hamburg

2017 Frappant Galerie Hamburg

Einleitung

Der Arbeitsalltag der postindustriellen Gesellschaft bietet ein unerschöpfliches Reservoir an Erzählungen und Bildern; ob als Sitcom, als kritischer Leitartikel oder als die Statistik eines Bundesamtes, aus der wir etwas über die soziopolitischen und wirtschaftlichen Umstände der arbeitenden Bevölkerung heute lernen sollen. Oft geht es dabei um Enthüllungen, um Situationen, die erniedrigend oder ungerecht sind und dennoch im Alltag als „normal“ abgewunken oder gleich tabuisiert werden – um Mobbing, Diskriminierung, um Ausbeutung oder Selbstausbeutung. Es geht also darum, Menschen zur Sprache kommen zu lassen, die bislang zu Schweigen hatten, da ihre Geschichten vielleicht den „reibungslosen Betrieb“ und die Machtverhältnisse ins Schwanken gebracht hätten. Was wir aber allzu gerne vergessen, ist, dass die Menschen nicht die einzigen Wesen im Betrieb sind. Kakteen, Drachenbäume und Schefflera bevölkern Arztpraxen und Kanzleien, Werbe- und Arbeitsagenturen, um ein wenig „Leben“ zwischen die Aktenstapel und Bildschirme zu bringen. Dass es sich hierbei tatsächlich um Leben handelt, fällt schnell unter den Tisch. Büropflanzen enden oft als bloße Dinge, deren Anspruch auf Fürsorge – das bisschen Wasser – kaum ernst genommen wird. Genausowenig ein Anspruch auf Schönheit, wenn sie halbvertrocknet in einer Ecke abge- stellt werden und nur unter Verrenkungen das nötige Sonnenlicht erreichen – hier ist es in der Tat nicht mehr weit zu der Entfremdung und der Austauschbarkeit, dem „Hochbücken“ der Menschen im Arbeitsalltag. In seiner Fotoserie „Businessplants“ zeigt uns Frederik Busch Portraits solcher Pflanzen im Betrieb. Portraits, da wir die Bürobotanik hier mit Eigennamen und knappen Charakterisierungen vorfinden und schnell erkennen, dass diese Pflanzen eben „auch nur Menschen“ sind, die in ihrem tragikomischen Dasein in ganz alltägliche Fragestellungen um Beziehungen, Musik und Fitness verwickelt sind. Dass dieser Alltag sich nicht allzu paradiesisch gestaltet, steht außer Frage. Der humoristische Zugang, den Frederik Busch gewählt hat, erlaubt es uns jedoch, an diese Pflanzen als Individuuen, eben als Mitlebewesen heranzutreten und nicht als Dinge, die lediglich der zivilisatorischen Überlegenheit der menschlichen Spezies ausgesetzt sind.

Jacob Birken

Introduction

The daily work routine of post-industrial society reveals an inexhaustible supply of stories and images; whether as sitcoms, as critical editorials or as government office statistics, sources from which we should learn about the socio-political and economic conditions of today’s working people. Often it is about disclosures, about situations that can be humiliating or unfair, yet brushed off as “normal” in everyday life or even taboo - such as bullying, discrimination, exploitation or self-exploitation. Thus the point is about allowing people to open themselves for discussion, those who previously remained silent because their stories may have somewhat rocked the “smooth operations” and balance of power. But what we all too often forget is that humans are not the only entities in the functioning office. Cacti, dracaena trees and scheffleras populate medical practices and law firms, advertising and job agencies, in order to bring a little “life” between the stacks of files and the computer screens. That these are in fact living organisms is a reality all but ignored. Office plants often end up as mere things, their right to substenance - that little bit of water - is hardly taken seriously. Even less so the right to beauty when they are practically dried-out, shoved in a corner and are only able to reach necessary sunlight via contorted growth - this is in fact, not far from the alienation and interchangeability of the “overachieving” of people in their daily work routine. In his photo series “Business Plants” Frederik Busch shows us portraits of such plants in their operative states. Portraits which discover office-botany with proper names and brief characterizations, and in which we quickly realize that these plants are indeed “also only human beings”, their tragicomic existence interwoven in everyday questions about relationships, music and fitness. That their daily life is not designed all that paradisiacally, is unquestionable. The humoristic approach that Frederik Busch has chosen allows us however, to confront these plants as individuals, simply as fellow creatures and not just merely things that submit to the civilizational superiority of the human species.

 

 

 

Jacob Birken / Translation by Jerome Frazer